CLOTHES

pseudointeractive video pieces with clothes

Die Pullover
at Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Die Protagonistin nimmt uns die Arbeit ab. Sie steht seit Beginn schon hinter Spiegeln, jenseits des Monitors, in einer doppelten Schicht, halb Raum, halb flächiges Archiv. Das Bild gibt als Reflex unserer selbst ihren Oberkörper frei, auf dem Bild für Bild und in Sprüngen die Kleidung wechselt. Rot, blassrot, lachsrosa, ausgeblichene Farbe, geschmacklose Halbfarbe; anschliessend der Schock eines Musters, der Borten und Zierden. Der Figur fehlen Kopf und Rumpf, sie ist ein reiner Konfektionsoberkörper. Schnitt für Schnitt ein neues Kleidungsstück, und wir wissen in Die Pullover nicht, ob mit jedem Bild noch immer ein Körper existiert, auf den eine neue Hülle gesprungen ist, oder ob eine gesammelte Folge von Kleidern durch beliebige Körper nur angefüllt ist. Ob uns eine Person gegenübersteht, hängt von unserer Phantasie ab. Wir können sie nicht wirklich erkennen. Die Hand greift nach dem Rahmen, der Arm streckt sich zu einem Schalter, einem Punkt auf der Rückseite des Monitorrandes, knapp neben dem Bild. Mit jeder Berührung setzt sich die Reihe fort: ein neuer Pullover, eine neue Farbe, eine andere Dekoration. Der Körper federt um seine Mittelachse zurück, hält ein und steht vor der Apparatur wie vor einem Spiegel, sein Befremden vor der eigenen Erscheinung bleibt aber unsichtbar. Mit jeder neuen Geste wechselt das Bild.
Gerrit Gohlke

vimeo

Die Pullover

Lobe
2 pigment prints, 125 x 100 cm

Shred
2 pigment prints, 125 x 100 cm

Les jaunes
at Espace Croisé, Lille

Les couleurs

video projection

Rag

2 pigment prints, studio view

Les habits

3 video projections
at Espace Croisé, Lille

 

Freud hat den Menschen einen Prothesengott genannt, der mit Hilfe verschiedenster Medien seine Organe in die Außenwelt ausdehnt: Kleidung, mechanische Werkzeuge, neue Technologien. Eric Lanz untersucht diese ’Extensions of Man’, so der Untertitel eines Buches von Marshall Mc Luhan, in Anordnungen, die manchmal an wissenschaftliche Testreihen erinnern. Das Paradigma der wissenschaftlichen Arbeitsweise erlaubt es ihm, die Dinge des Alltags, normalerweise unbeachtet und scheinbar wertlos, aus ihrem Kontext herauszuheben und ihnen eine neue, verstärkte Sichtbarkeit zu geben.
Im elektronischen Zeitalter wird der Computer zunehmend zum Modell unserer Welt, das durch fast unendlich scheinende Speicherkapazitäten und den nahezu unbegrenzten Zugriff auf Informationen gekennzeichnet ist. Die Videoprojektionen Les Habits greift diese Tendenz auf, hält aber zugleich eine ironische Distanz zu ihr ein.

Auf der vorderen, transparenten Bildebene erscheinen die Silhouetten von verschiedenen schwarzen Kleidungsstücken. Sie bilden eine Art Menü, welches von einem dahinter stehenden Mann durch spezifische Gesten mit den Händen bedient wird. Nach Kriterien wie Oben oder Unten tauscht er sie aus, blättert sie durch und öffnet manchmal ein separates Fenster auf der vordersten Bildebene zum Betrachter hin, in dem das zuletzt gewählte Kleidungsstück von jemandem angezogen wird. Diese Abläufe paraphrasieren die einer Windows-Oberfläche; sie inszenieren eine Situation der freien Auswahl. Tatsächlich gibt es bei ’Die Kleider’ jedoch keine Wahlmöglichkeit, weder für den Mann hinter dem Menü, der nach den Regieanweisungen des Künstlers agiert, noch für den Betrachter, der erkennen muß, daß das "Programm" sich seinem Einfluss entzieht; eine ernüchternde Erfahrung, die jedem Anwender geläufig ist. Die Interaktivität ist nur eine simulierte; alle Sequenzen wurden gefilmt und hintereinander geschnitten. Das ältere Medium wird von Lanz verwendet, um ein neueres zu imitieren, im Gegensatz zur herkömmlichen Entwicklung, in der ein neueres Medium dazu tendiert, ein älteres zu beeinflussen und zu vereinnahmen: "Video Killed The Radio Star" hieß ein Hit der achtziger Jahre.
Barbara Hess

Les habits

3 video projections
at Espace Croisé, Lille

Die Leibchen

2 videos, sound

Les maillots

Das Geschehen in Les torses, lui, noir  ist schnell zu erfassen: Zu sehen ist immer derselbe männliche Oberkörper, dessen Bekleidung nach einem vorgegebenen, eher langatmigen Modus kontinuierlich ausgetauscht wird. Trotz der fast monotonen Wiederholung des immer gleichen Sachverhalts baut sich hier im Laufe der Zeit eine unterschwellige Spannung auf, die über die schlichte Neugierde, welches Gewand wohl in der nächsten Sequenz auftauchen wird, hinausgeht.
Man sieht bei dieser lehrstückartigen Vorführung von Kleidung nicht, wie ein Kleidungsstück aus- oder angezogen wird. Das Wechseln der Kleider scheint vielmehr automatisch von statten zu gehen. Scheinbar wird es durch eine einzige Handbewegung ausgelöst. Der anonyme Oberkörper - im Titel lediglich auf das Attribut “männlich” reduziert - wird per Knopfdruck mit einer buntgemischten Auswahl an Kleidung ausgestattet - deren gemeinsames Kennzeichen die Farbe Schwarz ist. Der Ablauf ist vergleichbar mit einem graphischen Computerprogramm, bei dem per Mausklick einem Körper fast jedes x-beliebige Outfit zugeordnet werden kann. Die Stellvertreterfunktion der graphischen Hohlform wird von Eric Lanz wieder zurückgeführt auf den realen, menschlichen Körper.
Sabine Müller

Les torses, lui, noir
at Centre PasquArt, Biel/Bienne

Les torses, lui, noir
Stills


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